Der Aufbau eines Gelenks

Wie ist ein menschliches Gelenk aufgebaut? Erfahre, wie Knorpel, Kapsel, Bänder und Muskeln zusammenwirken – und warum Bewegung entscheidend für gesunde Gelenke ist.

Dr. Martin PühringerDr. Martin Pühringer
5. Jänner 2026
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Anatomie, Funktion & Gelenkgesundheit verständlich erklärt


Warum Gelenke mehr sind als „Verbindungsstellen“

Gelenke verbinden Knochen – doch funktionell sind sie weit mehr als einfache Scharniere. Sie ermöglichen Bewegung, übertragen Kräfte, dämpfen Belastungen und passen sich laufend an die Anforderungen des Alltags und des Sports an. Gelenkgesundheit entsteht dabei immer im Spannungsfeld von Stabilität und Beweglichkeit.

Um Training, Therapie oder Bewegung bewusst und nachhaltig zu gestalten, lohnt sich ein genauer Blick auf den anatomischen Aufbau eines Gelenks.

Grundtypen menschlicher Gelenke

Je nach Form und Bewegungsfreiheit unterscheidet man verschiedene Gelenktypen:

  • Kugelgelenke (z. B. Schulter, Hüfte): große Bewegungsfreiheit in mehreren Ebenen
  • Scharniergelenke (z. B. Finger, Zehen): Beugung und Streckung
  • Drehgelenke (z. B. proximales Radioulnargelenk)
  • Eigelenke / Sattelgelenke (z. B. Daumensattelgelenk)
  • Mischgelenke, z.B.: Knie:
    • Oft wird das Knie fälschlicherweise als Scharniergelenk gelehrt. Biomechanisch ist es jedoch ein Drehwinkelgleitgelenk(Trochoginglymus):
      • Rollen und Gleiten: Die Gelenkköpfe rollen nicht nur wie ein Scharnier, sie gleiten auch auf dem Schienbeinplateau.
      • Rotation: In gebeugtem Zustand lässt das Knie eine deutliche Innen- und Außenrotation zu. Ein reines Scharniergelenk könnte das nicht.

Die Gelenkform gibt den möglichen Bewegungsraum vor – wie gut dieser genutzt wird, entscheidet jedoch das Zusammenspiel aller beteiligten Strukturen.

Die zentralen Bausteine eines echten Gelenks

1. Gelenkflächen – Form bestimmt Funktion

Die gelenkbildenden Knochenenden sind mit hyalinem Knorpel überzogen. Dieser reduziert Reibung, verteilt Druck und ermöglicht nahezu widerstandsfreie Bewegung.

  • Knorpel ist nicht durchblutet → Ernährung erfolgt über Bewegung und Gelenkflüssigkeit
  • Anpassungsfähig, aber belastungsabhängig

2. Gelenkkapsel – Schutz und Führung

Die Gelenkkapsel umschließt das Gelenk vollständig und besteht aus zwei Schichten:

  • Membrana fibrosa (außen): stabilisierend
  • Membrana synovialis (innen): produziert Synovia (Gelenkflüssigkeit)

Die Kapsel ist reich an Mechanorezeptoren und spielt eine zentrale Rolle für die Propriozeption.

3. Synovia – Schmierung und Versorgung

Die Gelenkflüssigkeit versorgt den Knorpel mit Nährstoffen und wirkt stoßdämpfend. Qualität und Menge hängen stark von regelmäßiger, gelenkspezifischer Bewegung ab.

4. Bänder – passive Stabilität

Ligamente begrenzen extreme Bewegungen und geben dem Gelenk strukturelle Führung. Sie stabilisieren passiv, reagieren jedoch sensibel auf monotone oder fehlende Belastung.

5. Muskeln und Faszien – aktive Kontrolle

Muskulatur ist der wichtigste aktive Stabilisator. Sie steuert Bewegung, reguliert Gelenkpositionen und schützt passive Strukturen vor Überlastung.

Stabilität vs. Beweglichkeit – kein Widerspruch

Ein gesundes Gelenk ist beweglich dort, wo Bewegung vorgesehen ist, und stabil dort, wo Kontrolle nötig ist. Beschwerden entstehen häufig nicht durch zu wenig Kraft oder Dehnung, sondern durch fehlende aktive Kontrolle im verfügbaren Bewegungsraum.



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Literatur zum Thema – Anatomie & Gelenkverständnis

Wenn du tiefer in die Anatomie und Funktion von Gelenken eintauchen möchtest, empfehle ich folgende Bücher:

  • Prometheus LernAtlas der Anatomie
  • Wolfgang Schillings – Fitte und starke Gelenke
    Ein verständlicher, praxisnaher Überblick über Gelenkaufbau, typische Beschwerden und bewegungsorientierte Lösungsansätze.
  • Kelly Starrett – Becoming a Supple Leopard
    Ein Klassiker der funktionellen Bewegung: Verbindet Anatomie, Biomechanik und Praxis – ideal, um Gelenke unter Belastung besser zu verstehen.

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